Ich kenn dich von der Party (2)

von nomissimon

Tom steht an seinem Fenster und beobachtet den Verkehr an der Kreuzung unter ihm. Dabei denkt er eigentlich nur an das Mädchen von gestern Abend, wer sie wohl war, warum sie so plötzlich gegangen ist und ob er sie jemals wiedersehen würde. Komisch war es schon, noch gestern Mittag war vieles anders und er hätte nie geahnt, dass ihm auf der Party sowas passiert, irgendwie war er auch gar nicht darauf eingestellt, ein paar Bier, ein bisschen Small Talk mit seltsamen Leute die man sowieso nicht kannte und wahrscheinlich auch nie wieder sieht. Jetzt ist da auf einmal so ein komisches Gefühl in ihm, kein verliebt sein, nein, das fühlte sich anders an, wahrscheinlich ist es der Drang diesen Menschen näher kennenzulernen, ja, das scheint Tom plausibel. Langsam dreht er sich vom Fenster weg und geht in Richtung Bad, es ist Sonntagmittag und bei so herrlichem Wetter hat Tom immer das Verlangen die Wohnung zu verlassen und ein bisschen Sonne zu tanken. Nach einem 10-minütigen Spaziergang erreicht Tom dieses kleine schnuckelige Straßencafé, in jedem Reiseführer war das wohl der Geheimtipp, eine kleine bunte Oase in diesen grauen Betonschluchten, Tom gefällt es hier sehr gut. „Einen Kaffee, schwarz, und ein Glas Wasser, bitte“. Während die Kellnerin die Tasse auf den Tisch stellt guckt sich Tom die Häuser auf der anderen Straßenseite an, es sind schon ältere Häuser, Tom hat zwar keine Ahnung in welchem Stil sie gebaut sind, aber trotzdem strahlen sie auf Tom eine gewisse Atmosphäre aus. Im zweiten Stock am Küchenfenster sitzt eine graumelierte Katze und beobachtet die Straße, sie sitzt immer da wenn Tom hier war, was genau sie beobachtet weiß Tom nicht, denn ausser den wenigen Menschen im Café gibt es wie immer nicht viel zu beobachten, keine Autos, die am Küchenfenster vorbei rasen, keine spielenden Kinder und ausser dem inhaltslosen Gequatsche am Nachbartisch ist es auch mucksmäuschenstill. Während Tom seine Blicke über das Haus wandern lässt öffnet sich die Haustür und eine buntgekleidete junge Dame verlässt langsamen Schrittes das Haus. Tom läuft gedanklich ein paar Schritte neben der Dame, irgendwo her kennt er sie doch, diese lockigen Haare und die großen braunen Augen. Noch bevor er den Gedanken zu Ende denken kann, springt er von seinem Stuhl auf und läuft über die Straße, so spontan war er noch nie, doch irgendwas in ihm zwingt ihn jetzt gerade dazu, ‚Jetzt oder nie‘, aller Selbstzweifel, der ihn sonst davon abhält fremde Menschen anzusprechen, ist in diesem Moment verflogen. „Eeehhhnt..schuuul…diguung“ kommt er keuchend neben der Dame zum stehen, „Warst du gestern zufällig bei einer Tanja auf der Einweihungsfeier?“. Sie guckt ihn mit fragendem Blick an „Ja, wieso?“, „Hast du dich zufällig längere Zeit mit jemanden unterhalten dessen Namen du nicht kanntest?“. Tom merkt, wie es in ihrem Kopf rattert, sie neigt den Kopf etwas zur Seite, „Ach..! Wir haben uns gestern unterhalten, stimmt. Entschuldige, ich hab dich gar nicht erkannt“. „Sag mal, hättest du nicht Lust mit mir einen Kaffee zu trinken, ich sitz da im Café“, „Ne, tut mir leid, ich habe leider keine Zeit. Ich hab nur kurz meine Oma besucht und muss jetzt schnell wieder nach Hause. Aber was hälst du von nächsten Sonntag?“. Tom willigt ein und kurz bevor er wieder zu seinem Tisch laufen will fällt ihm etwas wichtiges ein „Ich heiße übrigens Tom.“, „Marie“, „Freut mich Marie, dann bis nächste Woche“. Und da war sie wieder, diese innere Zufriedenheit, wie viel Glück kann man eigentlich haben fragt sich Tom während er langsam zum Café zurück schlendert.

Vorher:

Ich kenn dich von der Party Teil 1

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