Lost in Möbelgeschäft

von nomissimon

In regelmäßigen Abschnitten betritt meine Mutter mein kleines, aber feines Kämmerchen und bringt ihre aktuelle Empfindung zu meinem Mobiliar in einem meist recht forschen Ton zum Ausdruck. Meist endet es damit, dass sie mit Maßband und Bleistift bewaffnet, irgendwelche Zahlen notiert und mir zu einem großangelegten Neukauf rät. Nun muss man wissen, dass mich zu hohe Zahlen sehr abschrecken und ich es deswegen auch nicht haben kann, wenn sich auf meinem Konto etwas Geld befindet, deshalb verprass ich mein Geld mit größter Sorgfalt für sämtlichen unnötigen Quatsch, aber nicht um die Wirtschaft anzukurbeln, die ist mir egal. So kam es, dass ich heute in Begleitung meines Muttertieres in ein großes schwedisches Möbelgeschäft pilgerte, um dort leidenschaftlich der Einkaufskultur zu frönen.

Spätestens an dem Tag, als ich nicht mehr in’s Bällebad hüpfen durfte und meine Eltern beim Einkauf begleiten musste, beschloss ich diesen Laden nie wieder zu betreten. Meine Mutter weiß das, versucht aber immer mich mit einfachsten Tricks, die erstaunlicherweise häufig was mit Süßigkeiten zu tun haben, in dieses Geschäft zu locken, möglichst ohne, dass ich dabei im Eingangsbereich das Bällebad durch die Scheibe erblicke und kreischend wieder rausrenne. So auch heute, und beinahe hatte sie mich in dem Geschäft, doch ich durchschaute das abgekaterte Spiel, klammerte mich mit all meiner Kraft an die nächstbeste Laterne und skandierte den mittlerweile 569. Hungerstreik meines Lebens. 20 Minuten gutes Zureden, etwas Gezerre und die Zusage auf ein Kaltgetränk später und ich stand mit einem Bein in diesem komischen Drehkreuz, zuckte etwas, als die zweite Drehkreuzstange gegen meinen Oberschenkel schlug und als ich endlich im Möbelmekka angelangt war, gab es ein stolzes Schulterklopfen der Erzeugerin obendrauf.

Wenn ich mir Schweden vorstelle, dann als riesiges Möbelgeschäft, mit ein paar mehr Elchen, aber auch mehr hübschen Menschen.

Das versprochene Kaltgetränk lässt mich in einer Windeseile durch den Laden huschen, hier etwas angeschaut, da etwas angefasst, mal Probe liegen hier, mal auf dem Bett hüpfen da. Ich zerschürfe mir beide Hände, als ich mir gefühlte 2000 Bleistifte in die Hosentaschen stopfe und benutze tatsächlich später einen um mir eine Regal- und Fachnummer zu notieren, als Unterlage dient eine Deko-Videokassettenverpackung, kurz überlege ich auch diese einzustecken, doch dank der Bleistifte ist kein Platz mehr für weitere Gratisartikel.

Schweißgebadet kommen wir an der Kasse an. Das After-Shave des Kassierers rieche ich bis zum 25 Meter entfernten Warteschlangenende, „Moschus könnte es sein“ überlege ich kurz, dabei kenn ich von Parfümerie nur die reisserischen Werbespots von Axe und die absolut entgegengesetze Reaktion, wenn ich einen dieser Düfte benutze (im Feldversuch ausführlich getestet). Wir sind endlich an der Reihe und ich reiche ihm meine EC-Karte, „Klappt nicht“, in Gedanken sehe ich schon schwedisches-Möbelhaus-Mitarbeiter-Nasenblut auf den Fußboden spritzen, doch dann bekäme ich sicher kein Kaltgetränk mehr, „Ich versuch’s nochmal“. Zwar sieht meine Karte aus, als hätte sie das letzte halbe Jahr in einem Kübel Blumenerde gesteckt, aber es ist meine Karte und die hat zu funktionieren! Ein Glück, sie funktioniert, die Lage entspannt sich und ich bekomm endlich mein Kaltgetränk. Guten Mutes und mit meinem Getränk in der Hand verlasse ich das Geschäft, während meine Mutter verzweifelt hinter mir her trottet, weil der nächste Besuch im Möbelhaus schon geplant ist und sie sich bis dahin einen neuen Trick einfallen lassen muss.

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