Alberts Problem

von nomissimon

Das mit uns beiden würde sowieso nicht klappen dachte sich Albert, als er in der Videothek an einem hübschen Mädchen vorbeiging und dabei versuchte so unauffällig wie möglich und die Situation möglichst ohne Peinlichkeit zu beenden, doch so genau konnte er es eigentlich nicht wissen, redete er sich diesen Umstand doch nur ein, weil er sowieso keine Möglichkeit sah mit dieser jungen Dame in Kontakt zu treten. Albert, den alle nur Ali nannten und der sich deswegen dauernd Sätze wie „Du heißt Ali?! Aber du siehst doch gar nicht türkisch aus“ anhören durfte, hatte nämlich ein Problem, ein ganz gewaltiges sogar, Albert war schüchtern und nicht irgendwie so ein bisschen rot werden, sondern extrem schüchtern. Alberts Schüchternheit ging soweit, dass er mit Frauen sogut wie keine Worte wechseln konnte und selbst Augenkontakt versuchte er so gut es nur ging zu vermeiden. Für Außenstehende war Alberts Verhalten dem anderen Geschlecht gegenüber durchaus amüsant, für ihn allerdings nicht, verhinderte seine Schüchternheit doch jeglichen Kontakt zur holden Weiblichkeit und darunter litt natürlich auch sein Liebesleben. Naja, eigentlich war sein Liebesleben quasi nicht existent. Die einzigen Frauen, in deren Anwesenheit Albert nicht vor Schüchternheit fast das Atmen aufhörte, waren seine Mutter und seine einzige und deswegen auch beste Freundin Lea, die sich schon seit dem Kindergarten um Alberts Freundschaft bemühte und mit den Jahren irgendwie einen Weg fand an Albert ranzukommen. Lea, die sich nie an den Witzeleien über Alberts Problem beteiligte, versuchte einen Weg zu finden um Albert zu helfen, auch wenn sie das nie offen gesagt hatte, aber so schien es Albert zumindest, doch egal was sie versuchte, es ging schief und Albert stand, wie so oft, vor einer hastig herbeigeschafften Bekannten von Lea und stammelte und stotterte vor sich hin bis er mit knallrotem Kopf und schweißnassen Händen den Rückzug antrat. „Lass gut sein, Lea, ich komme schon zurecht“ sagte er ihr dann immer und flüchtete gedanklich wieder in seine als Zufluchtsort gebaute asexuelle Parallelwelt, in der er frei war von Schüchternheit und Frauen, seine schöne heile Welt.

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