Sonntagmorgen

von nomissimon

Als ich am Sonntagmorgen aufwache ist es kurz vor 12, mein Kopf tut höllisch weh, muss wohl wieder eine durchzechte Nacht gewesen sein. Der Bücherstapel auf meinem Nachttisch ist umgekippt, Bücher, von denen ich noch keins gelesen hab, die ich mir auf dem Flohmarkt für 50 Cent gekauft hab weil mir ihr Cover oder ihr Titel so gut gefiel oder die ich in einer Art Verzweifelungstat im Buchladen meine Vertrauens erworben hab. Ob ich diese Bücher jemals lesen werde weiß ich nicht, bei meiner Lesegeschwindigkeit liegt da locker Lesestoff für 2-3 Jahre, trotzdem kaufe ich mir immer wieder neue Bücher, wahrscheinlich um mein Gewissen zu beruhigen, dass ich ja wenigstens die Möglichkeit hätte ein Buch zu lesen oder vielleicht einfach nur weil ich hoffe, dass mich eines dieser Buchladenmädchen mal zufällig anspricht, während ich mit meinem Entdeckerblick zwischen den Bücherregalen umherstreife. Auf meinem Handgelenk sind die Reste eines Stempels, möglicherweise von dem Club in dem wir gestern waren oder von dem Schülerkonzert, welches als günstige Vortrinkmöglichkeit ausgesucht wurde, ich bin mir nicht ganz sicher. Während ich versuche die Stempelreste zu entziffern kommen mir immer wieder Erinnerungsfetzen in den Sinn, bruchstückchenweise schießen die Erinnerungen in meinem Kopf, der prüfende Blick des Türstehers, das Lächeln der Kellnerin, ein paar bunte Lichter und zwischendurch immer mal die Gesichter der Freunde. Ach die Busfahrt, klar, so bin ich nach Hause gekommen. Mein Mund ist pappig trocken, zum Glück steht neben dem Bett die Flasche Wasser, die genau für diesen Moment da steht. Meine Klamotten von gestern Abend riechen nach Rauch, die Hose hängt über dem Stuhl, das T-Shirt irgendwo auf dem Boden, auf dem Schreibtisch mein Handy und die Geldbörse, welch ein Glück, dass ich wieder einmal nichts verloren hab. Eigentlich ein Wunder bei der Regelmäßigkeit, mit der ich mich am Wochenende volllaufen lasse, doch genau das ist es, was ich brauch, der Ausbruch aus dem Alltagstrott, allen Kummer und Sorgen vergessen und sinnlos Bier in mich reinkippen, keine Ängste und Probleme, kein Chef, der mit erhobenem Zeigefinger vor mir steht und sagt „Du, du, du“, einfach nur ich, das Bier, ein paar Freunde und die Hoffnung, am nächsten Morgen unversehrt im eigenen Bett wieder aufzuwachen.

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