Schlafwandeln

von nomissimon

In letzter Zeit passieren merkwürdige Dinge, meistens Nachts. Angetrieben von meinem detektivischem Wissenschaftlergeist bin ich der Sache nachgegangen und zu einer ersten Theorie gelangt: ich schlafwandel. Anders lassen sich die Geschenisse einfach nicht erklären, Gegenstände finden sich morgens an anderen Orten wieder, der Fußboden ist übersäht mit klebrigen Colaresten und dieses eine Poster da an der Wand müsste auch neu sein, zumindest ist es mir vorher nie aufgefallen. Ein bisschen beängstigend ist die ganze Sache zwar schon, doch seh ich auch Potential für mein weiteres Leben. So denke ich bereits daran mich mit klugen wissenschaftlichen Büchern einzudecken, damit mein Schlafwandel-Ich nachts wenigstens etwas leisten kann statt sinnlos Gegenstände umzustellen. So wäre es mir möglich mir quasi über Nacht mehrere Sprachen anzueignen, mich in Naturwissenschaften weiterzubilden, eine Doktorarbeit über die Essgewohnheiten der Mayas zu verfassen oder eine 17-teilige Romanreihe über einen Vampir zu schreiben, der gleichzeitig Zauberlehrling und Fußballprofi ist. Ich könnte so die Zeit, die andere Menschen mit Schlafen verbringen, sinnvoll nutzen um mich weiterzubilden und gleichzeitig vielleicht auch was im Haushalt zu tun oder meine Steuererklärung zu schreiben. Allerdings vermute ich, dass mein Schlafwandel-Ich so etwas wie meine böse zweite Hälfte ist, die jahrelang unterdrückt und missachtet erst Nachts zum Vorschein treten kann um mich dann heimlich zu sabotieren und all das Wissen, welches ich am Tag mühevoll gesammelt habe, wieder löscht, indem es heimlich das Telefonbuch auswendig lernt, schließlich hat jedes Gehirn seine Kapazität irgendwann ausgeschöpft und muss dann weniger wichtige Sachen löschen um das neue Wissen zu speichern. Die einzige Hoffnung die mir bleibt, ist, dass mein Gehirn nicht ausversehen lebenswichtige Erinnerungen speichert, z.B. wie man einen Schlüssel benutzt oder wie man sich die Zähne putzt.

Mein Leben scheint also ein einziger Kampf zwischen Gut und Böse zu sein, ein Gerangel um Aufmerksamkeit, zwei Seelen in meinem Körper. Ich fühle mich schlecht, vielleicht sollte ich mich etwas hinlegen.

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