Deutschland – ein Sommermärchen

von nomissimon

Mi. 14.07.2010: Während einer Betriebsvollversammlung in einer Werft in Bremerhaven stürmen wütende Werftarbeiter das Podium. Ein namentlich unbekannter Arbeiter ruft die Belegschaft zu Protesten auf, nachdem der Werksleiter über 500 der knapp 750 Mitarbeiter entlässt. Die Spontandemonstration der Belegschaft wächst im Verlauf auf über 3000 Teilnehmer an, weil sich weitere Arbeiter aus anderen Werften mit den Streikenden solidarisieren. Der Zorn der Arbeiter über Kurzarbeit und Massenentlassungen entlädt sich zusehend in Gewalt, im Laufe der Demonstration werden 6 Polizeifahrzeuge angezündet und über 20 Polizisten verletzt, die Polizei ist zu keiner Zeit Herr der Lage und nicht im Stande das nötige Personal zu mobilisieren. Per Kurznachrichtendienste und Telefonate gelangen die Nachrichten von Arbeiterstreiks schnell in’s ganze Land, am frühen Abend finden unter hoher Beteiligung von Arbeitern Spontandemonstrationen in 17 deutschen Städten statt, teilweise mit mehr als 800 Teilnehmern.

Do. 15.07.2010: Die Proteste dauern die ganze Nacht an, in deren Verlauf sind in Wuppertal und Jena die Arbeitsagenturen gestürmt und geplündert worden, in Wilhelmshaven wurde das Hafengebiet von Arbeitern besetzt, in Berlin-Wilmersdorf brannte ein CDU-Bürgerbüro komplett aus. Am frühen Morgen zeigt die Polizei in vielen Großstädten massive Präsenz, Hubschrauber kreisen über den Innenstädten, Menschenansammlungen von mehr als 20 Personen werden unter Gewaltanwendung aufgelöst und den Anwesenden Platzverweise erteilt. Trotz aller Polizeischikanen kommt es gegen Nachmittag wieder zu Demonstrationen in zahlreichen Städten, in Mainz kommt es zu tumultartigen Szenen, als eine Gruppe Nazis die Demonstration mit Parolen und Fahnen zu stören versucht, in Würburg und Halle besetzen Demonstranten für kurze Zeit die Rathäuser, in Hamburg brennt eine Polizeiwache. In weiten Teilen des Landes haben Piratensender das Radionetz übernommen und spielen in regelmäßigen Abständen alte Arbeiterlieder und versorgen die Demonstranten großflächig mit Informationen über die Streiks.

Fr. 16.07.2010: Fast im ganzen Land ebben die Proteste ab, Kanzlerin Merkel verkündet per Fernsehansprache eine baldige Stabilisierung des Arbeitsmarkts und Hilfsprogramme für die Arbeiterschicht. Die Schwerpunkte der Demonstrationen verlagern sich nach Berlin und das Ruhrgebiet, in Leipzig kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Linken und Rechten. Am Duisburger Hbf provoziert die Polizei bürgerkriegsähnliche Zustände, als sie Demonstranten den Zutritt zum Bahnhof verweigern möchte und willkürlich Personen aus den Demonstrationsreihen zieht und diese gewaltsam festnimmt, dutzende Fahrzeuge gehen in Flammen auf und ein Supermarkt, sowie ein Elektronikgeschäft werden geplündert.

Sa. 17.07.2010: In den Morgenstunden stürmt eine kleine Gruppe die Parteizentrale der FDP, an den Fahnenmasten vor dem Gebäude wehen schwarze Fahnen, die Bilder gehen in wenigen Stunden um die Welt und werden zum Symbol dieser Proteste. Die Medien sprechen zum ersten Mal von einer Revolution, in Talkrunden sprechen „Experten“, während draussen weiter ganze Straßenzüge den Krawallen von zumeist jugendlichen Demonstranten zum Opfer fallen. Eine schnell angemeldete Großdemonstration in Berlin mit über 20.000 Teilnehmern endet in einer Gewaltorgie durch die Polizei, 17 Demonstranten werden zum Teil schwer verletzt, in den Bezirken Neukölln und Tempelhof herrscht stundenlanger Ausnahmezustand.

So. 18.07.2010: Die Bilder von brutal prügelnden Polizisten bei der Demonstration in Berlin veranlassen ganze Hundertschaften der Polizei in mehreren Bundesländern ihren Dienst zu verweigern und sich auf die Seite der Demonstranten zu stellen, in Köln und Essen kommt es zu Großdemonstrationen mit jeweils über 100.000 Teilnehmern, viele mit sporadisch gebastelten schwarzen Flaggen bewaffnet. Die Tagesschau betitelt die Zahl der Demonstranten auf über 3 Millionen, insgesamt gingen an diesem Wochenende schätzungsweise über 8 Millionen auf die Straße, für Montagmorgen wird eine erneute Ansprache der Kanzlerin erwartet, die Nacht bleibt trotzdem unruhig.

Mo. 19.07.2010: Am frühen Morgen verkündet die Regierungschefin den Rücktritt der gesamten Regierung, Neuwahlen werden angekündigt. In fast allen Großstädten des Landes kommt es zu spontanen Jubeldemonstrationen, die Menschen feiern und tanzen auf der Straße, die schwarz-gelbe Koalition ist nach weniger als einem Jahr gescheitert und die Deutschen haben ihre erste Revolution in nur 5 Tagen erkämpft.

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