Kriminelle Energie

von nomissimon

In mir schlummert eine gewaltige Ladung krimineller Energie, vor derem plötzlichen Erwachen ich mich schon seit längerem fürchte. Bisher lief mein Leben überaus geordnet und ziemlich gesetzestreu, doch hinter meiner Fassade fackelt ein Feuerwerk brisanter Ideen, wie ich möglichst schnell entweder zu enormen Reichtum gelangen oder die Welt zu einem gerechteren Ort machen könnte. Eine gerechtere Welt könnte sich zwar mit der Gesetzlosigkeit der dann zu erwartenden Handlungen widersprechen, doch ich sehe mich da quasi in einer direkten Linie mit Robin Hood, der nach damaligen Maßstäben zwar ein Krimineller, aber im Nachhinein betrachtet kein übler Bursche war. Wozu wurde denn fast jedem Kind die Geschichte von Robin Hood erzählt, um nicht zu vermitteln, dass man das Recht auch mal in die eigene Hand nehmen muss, wenn Unrecht geschieht?

Die Thematik „Den Reichen nehmen, den Armen geben“ scheint sich bereits in meiner Kindheit tief in mir verankert zu haben und führt dort seitdem ein unscheinbares Leben mit einigen Ausbrüchen nach oben, die es bislang allerdings noch nie nach aussen geschafft haben, schließlich schreibe ich diese Zeilen gerade aus meinem Hauptquartier und nicht aus dem Gefängnis. Problematisch wird dabei sicher auch, dass den vielen großartigen Ideen, die täglich nur so aus mir heraus sprudeln, eine dilletantische Ausführung gegenüber stünde, die alle Pläne schon von vornherein zunichte macht. So scheiterte erst vor kurzem der grandios anmutende Plan mich in das Computersystem einer großen deutschen Bank zu hacken um dort einen unauffälligen Dauerauftrag zu meinem Konto einzubauen bereits an meinen mangelnden Hackerkenntnissen. Und bevor solche Unfähigkeiten nicht aus dem Weg geräumt sind, bleiben die Pläne auch vorerst nur Pläne und überhaupt, falls hier irgendwelche Ermittlungsbehörden mitlesen sollten, ich bin lieb.

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