Abenteuer Baumarkt

von nomissimon

Abenteuerspielplätze waren bis vor einiger Zeit noch eine meiner größten Leidenschaften, doch irgendwann kam die Zeit, in der ich zwar dank meiner Größe einen enorm hohen sozialen Status unter den Kindern genoß und mindestens der drittmeist gefürchtetste Junge am Klettergerüst war, aber leider auch nicht mehr im selbigen herumklettern konnte. Zeit also die Spielplatzkarriere (vorerst) an den Nagel zu hängen und sich nach anderen Örtlichkeiten umzusehen. Zwar war der Verlust dieser einen großen Leidenschaft Abenteuerspielplatz ein herber Schlag in mein kein-Kind-mehr-aber-trotzdem-noch-kein-Teenager Leben, doch ich erinnerte mich an einen magischen Ort, an den mich mein Vater manchmal mitnahm. Dieser magische Ort mit tausenden bunten Gegenständen, vor denen mein Vater mich bei jedem Besuch sehr überzeugend warnte und von denen ich manchmal den Kindern auf dem Spielplatz erzählte, während man zusammen an der Rutsche anstand. Warum mein Vater mir ständig verbot die Gegenstände anzufassen war mir damals noch nicht so ganz klar, aber es musste was damit zu tun haben, dass diese Gegenstände wirklich, wirklich krass waren, nicht umsonst sah ich bei meinen gelegentlichen Besuchen an diesem Ort ganz selten Mädchen, dafür aber umso mehr Kerle mit dicken Bäuchen und Schnurrbärten. Hinzu kam, dass mein Vater bei jedem Besuch seine blaue Latzhose trug und ich als alter Peter Lustig Fanatiker mir ständig ausmalte auch mal meine blaue Latzhose anzuziehen und durch die Gegend zu stolzieren.

Mit der Zeit kam ich dahinter, dass wir stets zu diesem Markt fuhren, wenn irgendetwas in unserem Haus entweder kaputt war oder renoviert werden sollte. Für einen Menschen wie mich, der noch nicht mal eine Wand ordnungsgemäß weiß streichen kann, natürlich ein herber Rückschlag, aber trotzdem blieb diese Faszination Baumarkt. Schließlich ging es fast sogar soweit, dass der Baumarkt den Abenteuerspielplatz komplett aus meinem Herzen verdrängte, konnte man in ihm doch mindestens genau so viel Spaß haben, es gab ungefähr gleich viel Sand, meine Knie waren meistens nach jedem Besuch komplett durchgescheuert und dreckig war ich sowieso von oben bis unten. Hinzu kam noch die gewissen Portion Nervenkitzel, weil ein Baumarkt so ca. 97429 Gegenstände lagert, die mich mindestens für eine Woche ins Krankenkhaus bringen können. Und Fische!

Manchmal, wenn ich wieder in einem Baumarkt bin, streife ich durch die Gänge und beobachte die immer noch gleichen alten Kerle mit den dicken Bäuchen und den Schnurrbärten, wie sie mit Hämmern in der Hand durch die Gegend laufen oder an Holzpaletten riechen und frage mich, ob sie manchmal auch noch an den Abenteuerspielplatz denken müssen.

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