Nieselregen

von nomissimon

Es ist dieser ganz feine Nieselregen. Die dunklen Wolken hängen tief und verleihen dem ganzen eine ungewollt melancholische Atmosphäre. Die kleinen Regentropfen bedecken mein Gesicht wie ein Film, ab und zu fühlt es sich an wie hunderte Nadelstiche. Von meinen Haaren, die mit der Zeit zu einem nassem, platten Klumpen geworden sind, tropfen große Wassertropfen. Eigentlich hätte ich sogar einen Regenschirm dabei, aber jetzt gerade genieße ich den erfrischenden Regen an diesem grauen Morgen.

Es ist ruhig auf dem Friedhof. Während an sonnigen Tagen die Friedhofsgärtner mit ihren Elektrorasenmähern durch die Gänge heizen und alles sägen, schneiden und hexeln was ihnen vor die Finger kommt, hört man jetzt nur das leise brummen der abgelegenen Hauptstraße. An mir läuft eine ältere Dame vorbei. Sie trägt eine durchsichtige Regenhaube, wie sie ältere Frauen häufig tragen, ihr hellbrauner Mantel ist von der Feuchtigkeit an den Schultern etwas dunkel verfärbt und hinter sich zieht sie einen Einkaufskorb her, der mit einer Plastiktüte gegen den Regen geschützt ist. Sie wird die einzige Person sein, die mir heute auf dem Friedhof begegnet. In keinem der Gräber liegt ein Angehöriger von mir, kein Freund und kein Bekannter, die Namen auf den Grabsteinen sind mir fremd und ich habe auch keine Kerze in meinem Rucksack. Ich komme hier nicht her um zu trauern oder um ein Grab zu pflegen, ich genieße die Ruhe. Und den Regen.

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