Meine Mauer

von nomissimon

Im Laufe eines Lebens lernt man ziemlich viele Dinge, die einem das Leben möglichst erleichtern sollen. Ich habe gelernt mir eine große Schutzmauer für mein Inneres zu errichten, damit mein Ich geschützt ist vor fremden Außeneinwirkungen. Die meisten Menschen nehmen so nur meine Fassade wahr, ein billiger Abklatsch meines Ichs, das nur dazu dient den Schein zu wahren und die Mauer zu entlasten. Mit den Jahren ist die Mauer hoch und dicht geworden, sie beschützt mich davor mein Inneres allzu leichtfertig zu offenbaren und mich so verwundbar zu machen. Ohne diese Mauer würde ich kaputt gehen, würde mich diese Welt, diese Gesellschaft und die Menschen, die in ihr Leben, aufsaugen, auf mir rumkauen und dann ausspucken wie einen alten Kaugummi. Ich klammer mich an diese Mauer, jeder kleine Riss wird sorgsam repariert und die Mauer wird dadurch nur höher und dicker, unüberwindbarer, für jeden ungebetenen Gast das eindeutige Zeichen „Bis hier hin und keinen Zentimeter weiter“.

Aber je höher diese Mauer wird, desto größer wird auch die Sorge, eines Tages nicht mehr über sie hinweg zu sehen und den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren.

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