Im Supermarkt um 8

von nomissimon

Es ist 8 Uhr morgens und ich bin der erste Kunde in dem kleinen Supermarkt um die Ecke. Die Kassiererin grüßt verschlafen und während ich langsam durch den Brotaufstrichgang trotte, höre ich im Marktradio die letzten Töne von Bitter Sweet Symphony, bis der viel zu aufgedrehte Moderator überschwänglich ins Mikrofon brüllend den Song abrupt beendet. Liebe Geburtstagsgrüße soll er bestellen, sagt er, an Sabine, von all ihren Freunden und dass sie immer so bleiben soll wie sie ist. Alles Gute Sabine, denke ich und fahre dabei mit meinem Finger über die Gemüsekonserven. Die Pilze sind im Angebot und ich hab plötzlich wieder Lust auf Pilze. Die Dose landet in meinem roten Einkaufskörbchen, das ich mit eingeknicktem linkem Arm so stolz durch den Markt herumtrage wie sonst nur eine Mutter ihr Neugeborenes. Daneben landen im Körbchen eine Packung Aufbackbrötchen, eine Tüte Pfefferminz-Drops und ein paar dieser giftgrünen Äpfel, deren Schale immer zwischen den Zähnen stecken bleibt wie frisches Popcorn. An der Kasse muss ich auf die Kassiererin warten, sie bemerkt mich erst nach einiger Zeit und kommt dann mit einer Mischung aus Langeweile, Arroganz und Müdigkeit in meine Richtung geschlendert, wie sie so nur Kassiererinnen und Politessen an den Tag legen können. Ich bezahle, wünsche noch einen angenehmen Tag und verlasse das Geschäft. Während ich die Straße entlanglaufe und die Tür höre, wie sie quietschend ins Schloss fällt, muss ich an Sabine denken.

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