Die Kellnerin

von nomissimon

„Haben sie sich schon entschieden?“

„Ja. Ich hätte gerne eine Tasse Kaffee.“

„Sehr gern. Mit Milch oder Zucker?“

„Nein danke. Schwarz, so wie Gott ihn schuf.“

Den Spruch brachte er immer. Dabei glaubte er noch nicht einmal an Gott. Er versuchte nur die Kellnerin mit einem kleinen Spruch von sich zu begeistern. Und die meisten lachten tatsächlich, oder zumindest bildete er sich das ein. Die Kellnerin heute hat gelächelt.

Er fühlte sich unheimlich zu ihr hingezogen. Ihre Sommersprossen und ihr schulterlanges braunes Haar, darauf stand er. Als sie ihm den Kaffee brachte, bedankte er sich und versuchte dabei möglichst souverän zu wirken. Er breitete seine Zeitung auf dem Tisch aus und fing an zu lesen. Aber eigentlich war an lesen gar nicht zu denken, denn seine Augen wanderten immer wieder hoch in Richtung der süßen Kellnerin. Möglichst unauffällig verfolgte er sie mit seinem Blick. Jede ihrer Bewegungen beobachtete er, jedes Gespräch mit einem Gast, jede kurze Absprache mit der Kollegin hinter dem Tresen. Dabei stellte er sich vor, wie sie mit ihren Schenkeln seinen Kopf umklammerte und sein Gesicht in ihrem Schritt versank. Währenddessen wurde sein Kaffee kalt.

Advertisements