Das Haus am See

von nomissimon

Sonntag Nachmittag. Seit 2 Stunden laufe ich durch den Wald, abseits der Wege. In unregelmäßigen Abständen höre ich den Wind in die Baumkronen wehen. Ich bin warm angezogen, die Mütze wärmt meine Ohren und die Handschuhe sind angenehm zu tragen. Langsam aber sicher bricht die Abenddämmerung herein. Ich erreiche das Ufer eines Sees und bemerke das Licht eines Holzhauses einige hundert Meter entfernt von mir. Das Haus hat zwei Etagen und einen langgezogenen Steg am Ufer. Als ich mich dem Haus nähere, erblicke ich ein offenstehendes Fenster an der unbeleuchteten Seite des Hauses. Leise und vorsichtig drücke ich mich mit meinen Armen am Fensterbrett hoch, hebe mein rechtes Bein über den Fensterrahmen und gelange so in das Innere des Hauses. Der Raum in dem ich mich befinde scheint ein Gästezimmer zu sein, links und rechts von mir stehen Einzelbetten mit Tagesdecken bezogen, in der Ecke ein robuster Eichenschrank mit geöffneten Türen. Bei meinem ersten Schritt knackt der Holzfußboden unter meiner Last. Die nächsten Schritte schleiche ich in Richtung Tür und versuche dabei so wenig Lärm wie möglich zu erzeugen. An der Tür angekommen, öffne ich diese einen kleinen Spalt. Der Flur ist hell beleuchtet. Ich höre, wie sich Menschen unterhalten. Ein Mann und eine Frau, eine Kinderstimme scheint auch dabei zu sein. Im Hintergrund läuft ein Fernsehgerät. Ich warte einen kurzen Moment, öffne dann die Tür und trete in den Flur. An der Wand hängen kleine Landschaftsaquarelle in dünnen schwarzlackierten Rahmen. Auf einer Kommode steht eine Vase mit frischen Schnittblumen. Ich drehe mich nach links und laufe in die Richtung aus der die Stimmen kommen. Am Ende des Flurs ist das Esszimmer des Hauses. An einem großen Esstisch erblicke ich die Bewohner. Es sind vier Personen, ein Mann und eine Frau, ungefähr Ende 30, sowie zwei Kinder, Junge und Mädchen, ungefähr im Grundschulalter. Bisher hat mich noch keiner gesehen oder gehört, sodass mir ein kurzer Moment bleibt die Familie zu studieren. Der Mann ist klein und schmächtig, sein bereits grau meliertes Haar ist kurz und mit Gel in Form gebracht. Er trägt eine schwarze Brille, einen dunkelgrünen Pullover und eine Jeanshose. Die Frau hat langes hellblondes Haar, ein rundes Gesicht und eine spitze Nase. Ihr hellbrauner Wollpullover und ihre großen Pantoffel sehen gemütlich aus. Die Kinder tragen bunte T-Shirts mit Comicaufdrucken, das Mädchen hat lockiges braunes Haar, der Junge blondes Haar und einen ähnlichen Schnitt wie sein Vater. „Wer sind sie“ sagt das Mädchen als sie mich entdeckt und einen Moment später ziehe ich die Blicke der gesamten Familie auf mich. Die Frau wirkt etwas verwirrt, ihr Mann ebenso, aber in seinem Blick ist etwas Zorn zu sehen. Er dreht sich wütend in meine Richtung, hebt seine Arme bedrohlich, öffnet den Mund und möchte gerade anfangen zu sprechen, als er in der Lauf meiner gezogenen Pistole schaut und sofort verstummt. Einige Sekunden vergehen, bis der Mann sich ein Herz nimmt und leise sagt „Bitte, nehmen sie alles was wir haben, aber tun sie uns nichts“. Ich lasse meinen Blick über den Esstisch wandern, schaue der Familie in die Augen, die Kinder schauen ängstlich, die Frau wirkt geschockt. „Alle in die Küche“ sage ich und mache mit meiner Pistole eine auffordernde Handbewegung. Die Frau steht als erste auf, geht zu ihren Kindern, zieht sie, während sie mich die ganze Zeit mit den Augen fixiert, vom Stuhl, drückt sie an sich und folgt ihrem Mann, der inzwischen ebenfalls aufgestanden ist, in die Küche. Ich laufe mit gehobener Waffe hinter ihnen her, beobachte jeden Schritt und jede Handbewegung die sie machen. „Auf den Boden setzen“ sage ich sobald wir die Küche erreichen. Als sich die Familie auf den Boden gesetzt hat, schieße ich dem Mann in den Kopf. Sein regungsloser Körper sackt zusammen und die Küchenzeile hinter ihm ist mit einem Schwall aus Blut und kleinen Gehirnstücken bespritzt. Die Frau fängt bei seinem Anblick hysterisch an zu schreien, die Kinder heulen und wimmern. Ich nehme meine Waffe runter und atme tief durch. Eine Sekunde lang verschließe ich meine Augen. Ich öffne sie, hebe meine Waffe und schieße den Kindern frontal ins Gesicht. Nach dem Knall der beiden Schüsse kehrt Stille ein. Die Frau hat ihr Schreien unterbrochen und starrt mich mit leeren Augen an. Ich reiße meinen Blick von ihr fort und schaue mich um. Sie sitzt in einer Lache aus Blut, neben ihr liegen ihre toten Kinder und ihr Mann. Was für eine jämmerliche Existenz, denke ich mir, gehe einen Schritt auf sie zu, halte ihr die Pistole an die Stirn und sage „Ich habe dich immer geliebt“. Dann drücke ich ab.

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