In 5 Jahren

von nomissimon

„Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“, fragt mich die Sachbearbeiterin des Jobcenters. Ich schaue sie leicht unentschlossen an und nach einem kurzen Moment sage ich: „Ich hätte gerne, dass in 5 Jahren die Welt kaputt ist und von jedem einzelnen Mensch nur noch ein kleines Häufchen Asche übrig ist. Dann erledigt sich die Frage für mich“. Sie starrt mich mit großen Augen an und fängt irgendwann an zu lachen, weil sie es entweder für einen Witz hält oder einfach dieses peinliche Schweigen überbrücken möchte. „Nein, jetzt mal ehrlich. Sie in 5 Jahren?“, sagt sie etwas entschlossener, nachdem sie mit ihrem dümmlichen Kichern fertig ist. Mir fällt nichts ein. Ich zucke mit den Schultern und schaue sie ratlos an. „Haben Sie denn keine Vorstellungen von Ihrem Leben? Keine Wünsche oder Träume? Vielleicht nur einen klitzekleinen Gedanken, was Sie mit Ihrem Leben anfangen möchten?“. Wieder fällt mir nichts ein und statt etwas zu sagen, bleibe ich lieber stumm, schüttel meinen Kopf und komme mir kurz vor wie ein 5-jähriger.

Auf dem Heimweg denke ich über das Geschehene und über mein Leben nach. Mir bleibt beinahe gar nichts anderes übrig, denn ihre Ermahnung doch bis zum nächsten Termin endlich eine Vorstellung zu haben schallt noch in meinem Ohr. Aber mir fällt nichts ein und wieder einmal bin ich in der Situation gefangen, mir von einer fast unbekannten Person vorhalten lassen zu müssen, dass ich keinerlei Ziele verfolge und ich so über kurz oder lang mein Leben an die Wand fahren werde. Als wenn ich nicht schon genug Probleme hätte.

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