Ohne Titel (20)

von nomissimon

Ich fahre mit der Bahn durch die Abenddämmerung. Die Sonne steht tief und wirft ihre letzten warmen Strahlen in mein Gesicht. Die Bahn ist fast ganz leer, nur eine kleine Omi sitzt einige Meter von mir entfernt und starrt Löcher in die Luft. Ich schaue aus dem Fenster und sehe die Stadt an mir vorbeiziehen. Für einen Augenblick denke ich, dass ich nicht mehr Teil dieser Umgebung bin und als unabhängiger Beobachter über den Dingen stehe. Die Bahn ist meine Taucherglocke, mit der ich durch die Gegend gleite und beobachte. Ich sehe die Wolken am Himmel, die Hochhäuser in der Innenstadt und manchmal ein Auto vorbeifahren und bin innerlich kalt, weil ich den Abstand zu spüren glaube, der zwischen mir und allem anderen existiert. Ein seltsames, aber auf eine Art auch interessantes Gefühl. Iggy Pop reißt mich schließlich aus den Gedanken. Was für ein hervorragendes Lied, in meinem Kopf singe ich mit. La la la la la la la la la la la la la la la.

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