Kreuzfahrt

von nomissimon

Lange hatte ich mich gegen ihre Überredungsversuche gewehrt und nicht klein beigegeben, aber irgendwann hatte mich meine Frau soweit und wir buchten eine Kreuzfahrt in der Karibik. Alles vom Feinsten wollte sie es und so kam dann auch ein Preis zustande, der mich beinahe aus den Latschen fallen lies. Aber egal, sagte ich mir, wenn meine Frau sich das so sehr wünscht, dann muss man sowas auch mal in Kauf nehmen. Auf der Fahrt zum Flughafen bemerkte ich ihre Spannung und Vorfreude und das Glitzern in ihren Augen war nie wieder so intensiv wie in diesem Augenblick. Ich kann es wohl nur erahnen, wie sehr sie sich diese Reise damals wünschte.

Die erste Woche auf dem Schiff verging wie im Flug, die karibianische Sonne brutzelte uns knackig braun und das Essen war vorzüglich. Entgegen meiner Erwartungen waren sogar die Mitreisenden nett und einige auch noch in unserem Alter. Gegen Ende der ersten Woche legten wir in einem kleinen Hafen an und viele der Mitreisenden verließen das Schiff. Es kam aber niemand neues an Bord und so hatten wir die zweite Woche fast das gesamte Schiff für uns alleine. Es waren tolle Tage, wir lebten wie Gott in Frankreich und genossen unsere Zweisamkeit. Ich erinner mich noch sehr gut an unsere Unbeschwertheit in diesen Tagen, an die Freude in ihrem Gesicht. Am vorletzten Abend spielte eine Band während des Essens und wir schlemmten ein hervorragendes Menü zu ihrer erstaunlich guten Musik. Als wir mit dem Essen fertig waren und nach einem kräftigen Schluck Wein, schoben wir unsere Körper auf die Tanzfläche und fingen ein wenig an zu tanzen. Und weil niemand uns beobachtete, außer vielleicht den paar Angestellten, die ab und zu auf dem Schiff herumliefen, steigerten wir uns in eine Art Trance aus Tanz, Lachen und absurden Bewegungen. Wir alberten herum, wagten halsbrecherische Tanzschritte und lachten fast ohne Unterbrechung. Ich hab sie nie wieder so glücklich gesehen wie in diesem Augenblick. Es war das Schöne, komprimiert an diesem Abend, auf diesem Schiff, irgendwo in der Karibik.

Das alles ist 8 Jahre her. Vor 5 Tagen ist sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem war ich wie in einer Schockstarre, hab auf meinem Bett gelegen und die Decke angestarrt. Es ist so unbegreiflich für mich, so unwirklich. Als ich mich gerade daran erinnerte, an diese Zeit damals, an dieses Schiff, da begriff ich, was geschehen ist und was ich verloren habe. In diesem Moment kam es unweigerlich über mich und ich brach in Tränen aus. Zusammengekauert lag ich da und weinte schwere Tränen des Abschieds. Weil ich das Wichtigste und Beste verloren habe, was mir jemals passiert ist.

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