Ohne Titel (24)

von nomissimon

Völlig aufgeregt renne ich durch Gestrüp. Hinter mir höre ich die schnellen Schritte und in unregelmäßigen Abständen ruft jemand „HALT!“, aber ich denke überhaupt nicht daran jetzt aufzugeben. Die Nacht ist sternenklar, der Mond leuchtet kräftig, in wenigen Tagen muss Vollmond sein. Plötzlich bleibe ich in einem Dornenbusch hängen. Es tut höllisch weh und ich bekomm leichte Panik, dass meine Flucht an dieser Stelle gescheitert sein könnte. Ich reiße mich unter Schmerzen aus den Dornen los und entgehe so kurzzeitig meiner Ingewahrsamnahme. Mein Verfolger bleibt mir aber weiterhin auf den Fersen. Gänzlich außer Atem erreiche ich einen knapp zwei Meter hohen Maschendrahtzaun. Er dient als Abgrenzung zwischen den zwei Gärten, durch die mich meine Flucht führt. Ich springe den Zaun hoch und drücke mich mit aller Kraft nach oben. Mein rechts Bein habe ich jetzt bereits über den Zaun geschwungen und kurz bevor ich mit dem linken Bein nachziehe und den Zaun überwinde, fühle ich ein merkwürdiges Gefühl in mir aufkommen. Ich spüre das Adrenalin durch meine Adern zischen, mein Herz wie verrückt klopfen und meinen Atem, der dem Hecheln eines Hundes gleicht. Auf einmal bemerke ich eine Hand, die mein linkes Bein schnappt und mit voller Wucht daran zieht. Reflexartig ziehe ich mein Bein zurück und trete nach der Hand. Mein Bein ist wieder frei und ich springe auf die andere Seite des Zauns. Als ich mich umdrehe, sehe ich den Polizisten, der mich die ganze Zeit verfolgt hat, auf dem Boden liegen. Er hält sich die Hand vors Gesicht und aus seiner Nase fließt ein großer Schwall Blut. Ich schaue ihm kurz in die Augen, drehe mich um und renne weiter. Ich renne so lange, bis ich mir sicher bin, dass ich ihn abgeschüttelt habe. Erschöpft lehne ich mich gegen eine Hauswand, ziehe mein Tuch aus dem Gesicht und nehme meine Kapuze ab. Mein Herz pocht noch immer und pumpt mein Blut so intensiv durch meine Adern, dass mir schwindelig wird. Reue oder Mitgefühl empfinde ich nicht.

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