Ohne Titel (29)

von nomissimon

Letzte Nacht verließ ich mein Haus und ging einige Häuserblocks durch die dunkle und menschenleere Stadt. Ab und zu raste ein Taxi an mir vorbei, ansonsten lag die so selten gewordene Stille über der Stadt. An einem Mülleimer stoppte ich und schmiss eine Handvoll Tablettenpackungen weg. Verschrieben von übereifrigen und stumpfsinnigen Ärzten, um mich aus dem emotionalen Loch zu ziehen, in das ich mich manövriert habe. Doch keine der kleinen weißen und rosanen Pillen hat auch nur ansatzweise geholfen, nichteinmal nachdem die tägliche Dosis stufenweise in die Höhe getrieben wurde. Der nächste vermeintliche Ausweg, dessen Tür sich für mich endgültig geschlossen hat. Wieder enttäuschte Hoffnungen.

Eigentlich hatte ich mir den Moment des Wegschmeißens pathetischer vorgestellt. Doch dem war nicht so. Ich öffnete den Deckel der Mülltonne, hielt einen kurzen Moment inne, warf danach die Packungen weg und ging auf dem gleichen Weg wie ich hingekommen war. Völlig emotionslos. Völlig abgestumpft. Auf dem Rückweg sinnierte ich darüber, dass mir mittlerweile nicht mehr viele Alternativen bleiben. Ein, der Situation angemessener, tiefer Schluck aus meinem Flachmann schenkte mir ein wenig Ablenkung. Ich schwimme weiter in diesem Meer von Scheiße.

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