Rausch

von nomissimon

Eine Parkbank an einem abgelegenen Gehweg im Stadtpark ist meine Lokalität für diesen Abend. Neben mir eine Flasche Bier und eine halbvolle Schachtel Zigaretten, unter der Bank eine Baumwolltasche mit einigen weiteren Pullen. Mein Ziel ist es ganz allmählich in einen sanften Bierrausch zu gleiten, mich nur noch mit meinen Gedanken zu beschäfftigen und die Umgebung auszuschalten. Unter Alkoholeinfluss denkt es sich meistens am Besten und dieser laue Sommerabend ist gut geeignet für mein Vorhaben. Ich bin allein und das ist auch gut so. Seit meinem Umzug in die neue Stadt hab ich keine neuen Menschen kennengelernt. Ein paar Trinkbekanntschaften in zwielichtigen Bars, die aber nie mehr als ein oder zwei Abende überdauerten, waren das einzige, was ich vorzuweisen hab in drei verdammten Jahren. Drei verlorene Jahre, die mich kein Stück weiterbrachten, weder beruflich, gedanklich, noch gesellschaftlich. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum ich an so einem Abend wie diesem alleine in einem Park hocke, rauche, trinke und mich meinen depressiven Gedanken hingebe.

Wie oft hatte ich bei solchen Gelegenheiten schon entschieden mein Leben zu wandeln und endlich voran zu kommen.

Geworden ist daraus nie etwas. Stets fand ich mich einige Zeit später mit einem Bier in der Hand auf einer Parkbank wieder und haderte mit mir selbst. Dass mein kontinuierlich steigender Alkoholkonsum nur eine Flucht vor all dem ist, weiß ich selber. Doch gebracht hat es mir nichts.

Wie oft habe ich bereits mein Leben und alles was mit ihm zusammenhängt, gedanklich zerrieben und bin trotzdem erkenntnislos auf der Stelle getreten.

Wahrscheinlich zu oft. Geholfen hat es nie.

Und wie oft ist mir bereits aufgefallen, dass mir sämtlicher Bezug zu meiner Person und meiner Situation abhanden gekommen ist. Ich will es gar nicht wissen.

Was jetzt für mich zählt ist das Bier in meiner Hand und der Alkoholrausch, in den ich langsam und genüßlich gleite. Dieser wunderbare Zustand, in dem ich all meine Sorgen beiseite schieben und mich losreissen kann von allem, was mich bedrückt.

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