Ohne Titel (32)

von nomissimon

Angst vor dem Tod hatte Christina nie besonders. Vielmehr war sie stets irritiert, wenn irgendwo das Thema Tod aufkam und die Menschen um sie herum plötzlich in eine Art emotionale Schockstarre verfielen. Für Christina hatte der Tod etwas versöhnliches, wie das kitschige Happy End in einem dieser belanglosen Hollywood-Liebesfilmen mit Comedy Momenten. Christinas persönliche Erlösung, das glückliche Ende ihres Lebens, das sonst durchzogen war von Desillusion und Resignation, war der Wunsch nach Stille, Dunkelheit und Einsamkeit. Auf Heilsversprechen diverser obskurer Religionen konnte sie deshalb gut verzichten, die Wiedergeburt war ihr ein Dorn im Auge und das Paradies, das verbunden ist mit dem Versprechen auf ein ewiges Leben, wollte Christina ebenso wenig. Im Grunde all dieser Versprechen sah sie eine schlichte Fortführung bzw. Erweiterung ihres bisherigen Lebens. In den wenigen Augenblicken, in denen Christina an den Tod dachte, war sie hingegen erfüllt mit Zufriedenheit, weil sie sich so sehr sehnte, dass diese Schmach endlich ein Ende hat und sie einfach nur die Ruhe genießen kann.

Advertisements