Fersengeld

von nomissimon

Es ist 23 Uhr. Seit vier Stunden sitze ich auf dem Rand eines Blumenkübels am Marktplatz und schütte ein Bier nach dem anderen in mich hinein. Der Kiosk um die Ecke macht heute Abend guten Umsatz an mir und musste schon zweimal den Kühlschrank nachfüllen, nachdem ich mich mit neuen Flaschen eingedeckt hatte. Lauwarmes Bier und eine selbstgedrehte Zigarette nach der anderen sind meine heutige Abendgestaltung. Jämmerlich. Das denken auch die Menschen, die sporadisch an mir vorbeilaufen. Ich kann es in ihren Blicken sehen, wie sie mich verabscheuen. Eine Abscheu, die ich auch spüre. Gegen sie. Gegen mich. Eigentlich gegen alles.

Als ich gerade mit zitternden Händen eine weitere Kippe drehe, bemerke ich drei Rotzige, die sich mir nähern. Der Marktplatz ist mittlerweile menschenleer. Als sie sich vor mir aufbauen und nach einer Kippe fragen, verneine ich und sage, dass sie sich verpissen sollen. Kaum ausgesprochen, zückt der Wortführer der drei ein Messer und macht einen Schritt auf mich zu. Wichser, denke ich und bin fest entschlossen mich heute Abend nicht von drei Hosenscheißern ausrauben zu lassen. Als ich aufstehe, greife ich nach meinem Schlagstock in meiner rechten Arschtasche und lasse ihn mit einer gekonnten Handgelenkbewegung ausfahren. 63,5 cm geballter Hass. Ich liebe das Geräusch der gehärteten Stahlglieder, die sich ineinander verhaken. Der Geruch des Hartgummis am Griff steigt in kürzester Zeit in meine Nase. Zwei der Typen geben Fersengeld noch bevor es ernst wird. Dem dritten schlage ich mit einem Rückhandschlag seitlich gegen die rechte Kniescheibe. Das Bersten der Knochen durchdringt den gesamten Marktplatz. Schreiend sackt er zu Boden. Sein Messer trete ich ihm aus der Hand. Mit dem letzten halbleeren Bier mache ich mich auf den Weg nach Hause, bevor die anderen Typen mit Verstärkung oder die Bullen hier aufkreuzen. Als ich gehe, kann ich noch das Heulen des Typen hören, der zusammengekauert in meinen Zigarettenstummeln liegt.

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