Bierdurst und Einsamkeit

von nomissimon

Um kurz vor 3 steige ich in den Nachtbus. Hinter mir liegen 4 Stunden Alkohol und Verzweifelung, vor mir die verdammte Angst beim Anfahren des Busses so ungeschickt auf die Fresse zu fliegen, dass ich entweder meine halbe Kauleiste verliere oder direkt ins Krankenhaus kutschiert werden darf. Auf wackeligen Beinen suche ich mir einen leeren Platz im mittleren Teil des Busses und schaue die nächste Zeit angestrengt aus dem Fenster um ja keinen der aggressiven Asis hier im Bus mit meinen Blicken zu provozieren.

Als ich gegen 23 Uhr entschloss doch noch mal an diesem Abend das Haus zu verlassen, stand ich noch sicherer auf den Beinen. In der letzten Straßenbahn Richtung Innenstadt war nur eine Gruppe Halbstarker, die sich im hinteren Teil des Wagens lautstark unterhielten und die Wodkaflasche kreisen ließen. Auf eine gewisse Art fühlte ich mich mit dieser Bande rotzbesoffener Teenies verbunden, wie ich waren sie auf der Suche nach Abwechselung und kippten sich dafür mächtig einen in den Kopf. Doch mir war nicht danach von grimmig reinschauenden Türstehern erst begutachtet und dann als nicht würdig eingestuft zu werden. Stattdessen tingelte ich rauchend und vor allem trinkend von Kiosk zu Kiosk, immer auf der Suche nach einem kühlen Bier, nach einem kühlen Schluck Trost. Der Bierdurst und die Einsamkeit trieben mich an diesem Abend auf die Straße. An diesem Abend, den ich sonst, wie so oft, allein in meiner kleinen Wohnung verbracht hätte, vor meinem Computer mit mittelmäßiger Musik und gänzlich ohne menschlichen Kontakt. Doch auch auf der Straße wurde meine Sehnsucht nach etwas zwischenmenschlicher Kontaktaufnahme nicht gestillt. Außer mit den Kioskverkäufern sprach ich nur noch ein paar kurze Sätze mit einem Flaschensammler und einer mittelalten Dame, die sich von mir Feuer geben lies bevor sie mit ihrer Truppe in Richtung des nächsten Clubs oder der nächsten Bar zog. Für mich blieb das kalte Bier, das mir half die Sorgen meine Kehle runterzuspülen. Wenn ich diese verdammte Welt weder wach, noch, dank der vielen Albträume, schlafend ertragen kann, dann wenigstens betrunken.

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