Ohne Titel (34)

von nomissimon

Ich sitze in meinem parkenden Wagen und warte auf mein Mädchen. Als sie kurze Zeit nach meinem überraschenden Anruf in mein Auto steigt, drückt sie mir einen Kuss auf die Wange und fragt, was ich mit ihr vorhabe. Mit meiner Antwort, dass das Ganze hier eine Überraschung sei, gibt sie sich relativ schnell zufrieden, zumal ich hier in der Zwischenzeit auch eine Tafel ihrer Lieblingsschokolade auf den Schoß gelegt habe. Ich lasse den Motor an und gemeinsam mit ihm springt auch der CD-Spieler an, der direkt die CD dieser einen Band spielt, die ihr schon seit so langer Zeit gefällt und die ich auch ganz ok finde. Wir fahren los. Kilometer für Kilometer legen wir auf einer gespentisch leeren Autobahn zurück, nur selten kommt uns ein Scheinwerferpaar entgegen oder überholen wir ein Auto auf unserer Seite der Leitplanke. Irgendwann nimmt sie sich eine Decke, die ich auf den Rücksitz gelegt hatte und macht es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich. Schweigend lenke ich mein Auto durch die sternenklare Nacht. Als wir kurz vor Morgen an der Küste ankommen, wird sie durch das offene Fenster, von der frischen Meeresluft geweckt. Das Funkeln in ihren Augen als sie bemerkt, wo wir sind, kann ich trotz der Morgendämmerung sehen. Oder zumindest denke ich, dass ich es sehe und allein das ist mir all die Müdigkeit der letzten Nacht wert. Wenig später liegen wir unter einer Fleecedecke in den Dünen und sehen uns den Sonnenaufgang an. Sie kuschelt sich eng an mich, ich kann ihren Herzschlag so wunderbar intensiv fühlen, dass es mir die Tränen in die Augen treibt.

Ich wache auf und sehe mich um. Meine Matratze liegt auf dem Boden, weil mein Lattenrost vor Monaten kaputtging und ich seitdem keine Kohle hatte mir einen neuen zu kaufen. Die bedrückende Leere meiner kahlen und kalten Wohnung bohrt sich wie ein Pfeil in meinen Magen. Ich ziehe meine siffige Bettdecke hoch bis an mein Kinn und drehe mich mit dem Gesicht wieder zur Wand.

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