Göttin

von nomissimon

Seit zwei Stunden wälze ich mich in meinem Bett hin und her und finde keinen Schlaf. Jedes einzelne Ticken meines Weckers plustert sich auf zu einer Anklage gegen mich. Jämmerlich kauere ich mich in meine Bettdecke und verfluche meine Idee, heute Abend mal nüchtern zu bleiben. Schon lange kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal nüchtern eine Nacht durchgeschlafen habe. Diese Schlaflosigkeit nagt, sie hängt wie eine dunkle Wolke über mir und macht mich jeden Tag noch etwas kaputter. Weil mir langweilig ist und an Schlaf gerade sowieso nicht zu denken ist, fange ich an etwas lieblos an meinem Schwanz rumzuspielen. Ein erbärmliches Bild. Ich habe gelernt ein verschissener Verlierer zu sein. Um mich abzulenken, versuche ich an die einzige Frau zu denken, die hier in diesem Bett mit mir lag. Ihr Name war Flocke. Wir lernten uns vor 4 Jahren in einer Bar nicht weit von meiner Wohnung kennen, wo ich häufiger versinke um meine Seele mit Bier und Schnaps zu betäuben. Sie war rotzbesoffen, aber auf eine seltsame Art unfassbar elegant. Mir ist bis heute nicht klar, was sie in dieser späten Nacht dazu geritten hat, mich, den armseligsten Penner in dem Schuppen, anzuquatschen, aber ich bin ihr bis heute dankbar. Wir redeten und tranken viel, ich machte ein oder zwei dümmliche Witzchen, über die sie lachte und irgendwann gingen wir zu mir, um weiter zu trinken und rauchen. In dieser Nacht war sie meine Göttin. Als sie, was ja irgendwie so kommen musste, nackt auf mir saß und ich mit meiner Hand über ihre wunderschöne Taille fuhr, da war das der bemerkenswerteste Augenblick in meinem sonst so trostlosen Leben. Als sie neben mir einschlief, beobachtete ich sie noch eine Weile im faden Licht der Straßenlaternen, das durch die zugezogene Jalousie in mein Zimmer fiel, wie sie besoffen und schnarchend da in meinem Bett lag und sich ihr Brustkorb in regelmäßigen Abständen sanft hob und wieder sank. Als ich am nächsten Morgen viel zu früh vom Baulärm auf der Straße geweckt wurde, war sie schon verschwunden. Etwas verwirrt und auch traurig, irrte ich durch meine kümmerliche Bude und suchte irgendwas, was sie mir da gelassen hätte, ein Zettel, eine Nummer, irgendwas. Aber da war nichts. Flocke war wieder weg. Verschwunden in diesem Moloch einer Stadt. Danach fiel ich in ein tiefes Loch, zog mich noch mehr zurück, trank wieder viel mehr. Ab und zu ging ich noch in die Bar um die Ecke, um sie vielleicht noch mal wiederzusehen, doch außer dem Boden des Glases sah ich in diesen Nächten nichts. Ich spüre immer noch, dass mein Herz zu rasen beginnt, wenn ich mich an diese eine Nacht zurückerinnere. Der Höhepunkt in meinem sonst so grauen Leben. Mein Verliererleben, das sich genau in diesem Moment so deutlich widerspiegelt, wenn ich schlaflos in meinem Bett liege und meinen halbsteifen Schwanz lustlos in der Hand halte. Scheiße, ich brauche Schlaf und dafür brauch ich Schnaps.

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